Urheber: Rhein-Erft-Kreis
Die Koalition aus CDU, Grünen und FDP/Freien Wählern sowie die SPD-Fraktion im Kreistag des Rhein-Erft-Kreises haben sich nach intensiver und sorgfältiger Abwägung einstimmig für einen Verkauf der kreiseigenen Liegenschaft im französischen Guidel ausgesprochen. Dieser Schritt erfolgt mit schwerem Herzen, da allen Beteiligten die enorme symbolische Bedeutung dieses Ortes für die Annäherung und Freundschaft unserer beiden Völker bewusst ist.
In den vergangenen Jahren haben wir – sowohl unter dem aktuellen als auch unter dem vorherigen Landrat – erhebliche Anstrengungen unternommen, um die Liegenschaft im Sinne des europäischen Gedankens zu erhalten. Es wurde versucht, Kontakte mit dem zuständigen französischen Département zu knüpfen, umfassende Pläne zur Ertüchtigung der Gebäude ausgearbeitet, aktiv nach neuen Pächtern gesucht und das Angebot bei den Schulen im Rhein-Erft-Kreis noch einmal intensiv beworben. Das Ziel war es, dass die Begegnungsstätte wieder mehr – auch durch französische Klassen – genutzt wird. Bedauerlicherweise war dem trotz aller Bemühungen kein dauerhafter Erfolg beschieden.
Ein wesentlicher Grund für den Rückgang der Nutzungszahlen liegt in den veränderten Rahmenbedingungen für Schulfahrten. Für Schulklassen ist es in den letzten Jahren aus logistischen und finanziellen Gründen kaum noch möglich, einen solchen Transport zu finanzieren. Eine Busfahrt nach Guidel dauert rund 16 Stunden, was aufgrund der gesetzlichen Lenkzeiten den Einsatz mehrerer Fahrer zwingend erforderlich macht. Zusammen mit den preistreibenden Entwicklungen der jüngsten Vergangenheit führt dies zu Transportkosten, die für Schulen und Eltern schlicht nicht mehr stemmbar sind.
Die unterzeichnenden Fraktionen betonen jedoch, dass das Ende der Liegenschaft in Guidel nicht das Ende des Schüleraustauschs bedeuten muss.
Wir wollen über neue, zeitgemäße und tragfähige Konzepte für die Begegnung junger Menschen und das Leben der Freundschaft zwischen Deutschland und Frankreich sprechen, denn das gelebte Miteinander dieser beiden Kernländer der Europäischen Union ist wichtiger denn je.
Gregor Golland, Vorsitzender der CDU-Kreistagsfraktion: „Die Entscheidung, Guidel zu verkaufen, ist uns alles andere als leichtgefallen. Die Liegenschaft ist ein tief verwurzeltes Symbol der Aussöhnung. Gemeinsam mit der Kreisverwaltung und über drei Landrats-Amtszeiten hinweg haben wir alles versucht, um das Objekt zukunftsfähig aufzustellen. Doch Politik muss auch der Realität ins Auge blicken, wenn Konzepte trotz maximalen Einsatzes nicht greifen. Unser Fokus liegt nun darauf, die deutsch-französische Freundschaft auf anderem Wege mit Leben zu füllen.“
Dierk Timm, Vorsitzender der SPD-Kreistagsfraktion: „Für uns als SPD steht die Chancengleichheit bei der Teilhabe an internationaler Begegnung im Vordergrund. Wenn eine 16-stündige Busfahrt durch den Einsatz mehrerer Fahrer und die allgemeine Teuerung für Familien unbezahlbar wird, schließt das viele Schülerinnen und Schüler im Rhein-Erft-Kreis strukturell aus. Wir müssen ein neues Angebot schaffen, das finanziell stemmbar und organisatorisch machbar ist, damit der so wichtige Austausch zwischen Jugendlichen unabhängig vom Geldbeutel der Eltern stattfinden kann.“
Elmar Gillet, Vorsitzender der Kreistagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen: „Gerade in einer Phase, in der antieuropäische und nationalistische Kräfte in Europa Zulauf erhalten und der Frieden auf unserem Kontinent bedroht ist, dürfen wir beim Jugendaustausch nicht nachlassen. Guidel war ein wunderbares Symbol, aber die europäische Idee lebt nicht von Steinen, sondern von Begegnungen. Wir werden jetzt fraktionsübergreifend an neuen, ökologisch und ökonomisch sinnvolleren Wegen arbeiten, um den Dialog mit unseren französischen Nachbarn im Geiste der Nachhaltigkeit und Toleranz neu zu beleben.“
Ralph Bombis, Vorsitzende/r der FDP/FW-Kreistagsfraktion: „Verantwortungsvolle Haushaltspolitik verlangt, dass wir den Mut aufbringen, nicht mehr funktionierende Strukturen zu beenden. Nach Jahren der intensiven Suche nach Pächtern und der versuchten Ertüchtigung müssen wir anerkennen, dass die Liegenschaft in Guidel in dieser Form keine Zukunft mehr hat. Das freiwerdende Potenzial müssen wir jetzt nutzen, um bürokratische Hürden für Schulen abzubauen und effiziente, zeitgemäße Formate des Austauschs zu fördern, die den heutigen Ansprüchen gerecht werden.“

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